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SYMPOSION
"HÖHER! SCHNELLER! WEITER!
Sport in Gesellschaft, Sport und/als Politik"

 



Symposion, Plenartermine: Do. 09. 05. und Fr. 10. 05. 2019

Johannes Kepler Universität (JKU) LINZ, Uni-Center (=Mensagebäude, neben Schloss),
Altenberger Str. 69, 4040 Linz, 2. Stock (Außenstiege / Außenlift)

Programm:

Informationen folgen noch.

 

Winston Churchills Maxime „No Sports!“ ist als individuelle Entscheidung durchaus zu respektieren - Sport als gesellschaftspolitisches Feld zu ignorieren, dagegen wenig ratsam: Nicht nur ist Sport kulturelle Betätigung und Freizeitgestaltung von Millionen Menschen, veritabler Wirtschaftsfaktor und Bestandteil militärischen Drills – der in ihm enthaltene Leistungs- und Konkurrenzgedanke lässt sich generell als paradigmatisch für eine Gesellschaft sehen, in der der nackte Ellenbogen als edelstes Körperteil gilt.

Dagegen kann eingewendet werden, dass Sport zumindest einen zivilisatorischen Fortschritt darstellt, da kriegerische Gewalt durch die reglementierte Austragung von Wettbewerben abgelöst wurde. Norbert Elias hob dabei den zivilisatorischen Effekt von Wetten hervor, da diese ungefähr gleich starke KontrahentInnen voraussetze, sowie Regeln und eine gewisse Fairness. Allerdings sind Kriege und Gewalt nicht verschwunden – sportliche Konflikte können sogar zu Kriegen führen, wie 1969 im Falle des „Fußballkrieges“ zwischen Honduras und El Salvador. Auch die Sportpraxis selbst lässt Zweifel an der Zähmung gesellschaftlich destruktiver Triebe aufkommen: Sexuelle Nötigung, Korruption und Doping haben empörte Reaktionen samt „Hashtag“-Kampagnen zur Folge, ohne aber zu echten Konsequenzen zu führen. Dafür sind auch – vor allem auf regionaler und lokaler Ebene – Verflechtungen und Kumpelei zu stark: PolitikerInnen scheuen sich, Missstände anzusprechen oder gar zu beseitigen, weil sie das Stimmen kosten und ihr „symbolisches Kapital“ (Bourdieu) minimieren könnte.

Sport bildet einerseits gesellschaftliche und politische Entwicklungen ab, wirkt aber zugleich auf diese zurück. Auch funktioniert er auf ambivalente Weise identitätsstiftend: Einerseits ist er ein Angebot, sich über die Identifikation mit "Helden" und siegreichen Gruppen Selbstwertgefühl zu verschaffen und manchmal sogar das nationalstaatliche „Wir“ zu durchbrechen – zugleich schwört er die Beteiligten auf nationale/regionale/lokale Mythen ein und schafft neue Feindbilder, die sich nicht auf sportliche Konkurrenz beschränken, sondern mit vorhandenen Abwertungen aufgeladen werden.

Die Bandbreite möglicher Auseinandersetzungen mit dem Verhältnis von Sport und Politik im weitesten Sinn ist groß: Sie reicht von Sport als Mittel politischer Machausübung (Inszenierung auf der internationalen Bühne und Erzeugung nationalistischer Gefühle im eigenen Land, körperliche Mobilmachung für Militärdienst und Krieg, etc.) über Korruption, Fan-Gewalt, Rechtsextremismus, Ausgrenzung von Minderheiten, Menschenhandel, Unterdrückung von Frauen, sexuellen Missbrauch, bis zur Durchsetzung neoliberaler Ideologien. Andererseits bietet Sport für Mitglieder marginalisierte Gruppen die Möglichkeit gesellschaftlichen Aufstiegs und manchmal auch die Chance, gesellschaftliche Rollenbilder aufzuweichen.

Obwohl in den Sportwissenschaften vereinzelt ein Bewusstsein für die gesellschaftpolitische Dimension von Sport entsteht, ist es umso wichtiger, nicht nur möglichst viele gesellschafts- und kulturwissenschaftliche Fachdisziplinen in die Diskussion darüber einzubinden, sondern auch zivilgesellschaftliche AkteureInnen, SportfunktionärInnen und nicht zuletzt die SportlerInnen selbst.



Teilnahmebeitrag: keiner


Wissenschaftliche Leitung: a.Univ. Prof. Dr. Gerhard Fröhlich
Kontakt: gerhard.froehlich(at)jku.at

V: Kulturinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz.
Coop Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie, Sektion Kulturtheorie und Kulturforschung der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie (ÖGS).

Sponsored by JKU. Dank an die Buchhandlung Fürstelberger, die Oberbank und den Verband der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs (VWGÖ). Gefördert von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung.


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